In Ernsthofen Wirkung entfaltet


Acht Uhr morgens in allen deutschen Schulen. Der Lehrer kommt in den Raum hereingelaufen mit einer Mimik, die den Schülern schon sagt, wie mit dem Lehrer heute zu sprechen ist. Ob er gut oder eher schlecht drauf ist. Jeder einzelne Schüler weiß dies genau! Doch woher wissen sie das? Das komplette Erscheinungsbild verrät den Schülern jedes noch so kleine Detail.

Sicherlich fragt Ihr euch jetzt, was ich Euch damit mitteilen will. Im Prinzip ist es ganz einfach. Wir Schiedsrichter spielen den Lehrer und die Spieler werden als Schüler symbolisiert. In unserem Falle auf dem Sportplatz, und beim Lehrer ist es eben im Unterricht. Beides kann man durchaus vergleichen, da beide Autoritätspersonen ein bestimmtes Auftreten an den Tag legen müssen. Ihre Autorität und Akzeptanz steigt und sinkt mit ihrem Auftreten.

Dies war das Hauptthema auf unserem Lehrgang. Auftreten auf einem Sportplatz sowohl vor als auch während des Spiels. Durch einerseits theoretische, andererseits auch praktische Übungen in großer Anzahl wurden wir in diesem Lehrgang auf diesen wichtigen Aspekt bei einer Spielleitung vorbereitet. Ich nehme an, dass kein Schiedsrichter, der bei diesem Lehrgang dabei war, noch jemals einen Fehler bezüglich des Auftretens machen wird.

Samstag. Morgens um 9:30 Uhr war der Treffpunkt vor dem Kreisjugendheim in Ernsthofen. 13 Teilnehmer (Sebastian Becker, Tim Binstadt, Daniel Bittner, Maurice Gotta, Karsten Huth, Hakan Kaya, Domenic Kellert, Omane Kyei, Murat Öksüz, Ziya Öksüz, Philip Papadopoulos, Karim Reuss und Burak Yazici) sowie drei KSA-Mitglieder (Michael Imhof, Evangelos Pakos und Sebastian Schaab) standen vor den Toren. Nach einer kurzen Einführung ging es dann auch schon los mit dem ersten Part. Michael Imhof führte uns einen "Poetry Slam" vor, der zum Thema Auftreten gut passte. Wer sich unter diesem Begriff nichts vorstellen kann, der muss sich nicht schämen. Mir und dem größten Teil aller Beteiligten sagte dieser englische Begriff auch nichts. Sinngemäß übersetzt ist es ein Dichterwettstreit bei dem jeder Teilnehmer einen eigenen Text schreibt und ihn dann dem Publikum vorführt. Dichterwettstreit? Ich dachte es ist ein Schiedsrichterlehrgang und kein Poetentreff. Doch diese Übungen und die Präsentation eines jeden einzelnen, hat die Gruppe mehr und mehr zusammengebracht. Am Ende des Lehrgangs gab es keine kleineren Grüppchen mehr. Wie agierten als eine komplette Einheit. Unsere Nebenaufgabe war es dann, bis zum Abend einen eigenen Text zu schreiben, der im Stile eines solchen war, wie ihn Michael vortrug. Ziemlich schnell verging die Zeit, denn plötzlich gab es schon Mittagessen. Das Essen war sehr gut, genau wie die Tischdienste für die jeweils einige eingeteilt wurden. Diese Arbeit wurde sehr zuverlässig erledigt.

12:45 Uhr und der zweite Teil des Themas begann. Wir gingen geschlossen hinaus auf die Wiese und spielten ein Spiel, welches sehr kompliziert war. Wir verteilten uns quer durcheinander über die Wiese und verbanden und gegenseitig die Augen. Nun ging Michael über das Feld und gab uns, teilweise sogar überkreuz, ein Seil in unsere Hände, das man ständig festhalten musste. Total orientierungslos und vorerst auch planlos sollten wir jetzt ein Quadrat bilden. Sebastian, Michael und dazu noch Burak Yazici schrieben ihre Beobachtungen auf, wie wir uns langsam zu unserem Endergebnis vorarbeiteten. Wir hatten viel mit der Kommunikation zu kämpfen, da wir teilweise bis zu 25 Metern auseinander standen. In den Beobachtungen der drei Außenstehenden wurde am Ende bei der Besprechung gesagt, dass die Gruppe immer von einer Person "angeführt" wurde, die eine Lösungsmöglichkeit im Kopf hatte. Wir hatten in der Gruppe alle anderen zu respektieren und deren Lösungsideen zu akzeptieren. Gut erkannt hat man, das die Gruppe die älteren Schiedsrichter mehr bei deren Lösungsmöglichkeiten respektiert hat, als die Jüngeren. Die jungen Teilnehmer mussten sich viel mehr behaupten und durchsetzten, im Vergleich zu den Älteren. Letztendlich meisterten wir allerdings auch diesen Teil des Lehrgangs und besprachen wie gesagt noch kurz unsere Erfahrungen bei diesem Spiel, ehe wir um 14:00 Uhr zu den obligatorischen Einzelgesprächen kamen. Diese wurden von jedem sehr positiv aufgenommen, da unter anderem auch die Ziele eines jeden besprochen wurden und wie er sie erreichen kann. Da nur drei KSA-Mitglieder da waren und wir 13 Teilnehmer waren, wurden wir in bestimmten Zeiten eingeteilt. Die Zeit, in der wir nichts zu tun hatten, sollten wir nutzen, um uns bestmöglich auf den "Poetry Slam" vorzubereiten.

Gegen 16 Uhr begann dann der Dritte und somit auch der letzte Teil des Hauptthemas, der mit mehreren Videos sehr schön gestaltet wurde. In diesen Videos wurden Schauspieler und Politiker gezeigt, deren Wirkung auf den Betrachter besprochen wurde. Dabei ging es insbesondere darum, inwiefern sich das auf unser Schiedsrichterwesen übertragen lässt: Welches Verhalten wirkt auf Außenstehende positiv, wie kann jeder Einzelne Wirkung entfalten? Dann war es auch schon 18:00 Uhr. Das Abendessen begann, sehr zur Freude mehrerer ausgehungerter Schiedsrichter. Danach gab es bis 20.00 Uhr den letzten Freiraum zur Vorbereitung der Vorträge.

Ab 20:00 Uhr schließlich begann die Auslosung der Reihenfolge der Vorträge. Dann wurden die Texte und Gedichte vorgestellt - über eigene Spielleitungen oder generell über unseren Sport. Aber auch Erzählungen und einige Kurzgeschichten waren vom Vortragsstil sehr unterhaltsam vorgetragen. Am Ende fiel es der Jury, die aus dem kompletten Publikum bestand, schwer, ihre Favoriten zu wählen und zu bewerten. Jeder hatte zehn Punkte, die er auf seine drei Favoriten verteilen konnte. Letztendlich war der Gewinner am Ende klar und deutlich unser Schiedsrichterkollege Maurice Gotta, der mit seinem Gedicht den anderen "Poeten" weit voraus war. Er wurde im Rahmen einer Siegerehrung, die Sebastian Schaab vornahm, der ebenfalls gekonnt in Gedichtform den Tag Revue passieren ließ und dazu noch Heinz Erhardt zitierte, mit einem Pokal zum "King of Poetry, Ernsthofen 2011" ernannt. Sehr zur Freude aller Teilnehmer erschienen letztendlich auch noch Kreislehrwart Christian Ude, Gruppenligaschiedsrichter Hasan Kaya und Verbandsligaschiedsrichter David Wegmann. Auch diese drei mussten ebenso wie Sebastian Schaab noch ihren Beitrag leisten und rundeten den Abend mit Powerpoint-Karaoke ab - sie mussten ihnen unbekannte Foliensätze, die Michael Imhof vorbereitet hatte, ohne Vorbereitung vorstellen. Sebastian Schaab setzte dabei den Schlusspunkt, als er in seinem Vortrag über die Geometrie der Kugel über römische Kaiser sprach. Anschließend unterhielten sich noch alle nett miteinander und machten den einen oder anderen Spaß. So fand ein letztendlich anstrengender Tag einen sehr lockeren Ausklang.


Die Siegervideos

Maurice Gotta Karsten Huth Tim Binstadt
Maurice Gotta
Platz 1
(247 MB)
Karsten Huth
Platz 2
(19 MB)
Tim Binstadt
Platz 3
(52 MB)

Sonntag. Um 07:15 Uhr trafen sich die Teilnehmer vor den Toren des Kreisjugendheims zum morgendlichen Frühsport. Dieser verlief für den einen oder anderen nicht grade perfekt, da die Nacht doch sehr kurz war. Da Evangelos Pakos leider erkrankte, übernahmen Maurice Gotta und Tim Binstadt die Leitung, die sie entschlossen und sicher meisterten. Danke an euch beide hierfür! Es wurde geduscht und um 08:30 Uhr ging es zum Frühstück, an dem man durchaus noch ein paar halb-schlafende Personen sah. Anschließend wurden die Zimmer geräumt und die Taschen wurden weggepackt.

Gegen 09:00 Uhr empfing uns Lehrwart Christian Ude mit einem Regeltest und einem Regelreferat. Unter anderem auf Grunde des geringen Schlafes schwand nach der Zeit die Konzentration der Teilnehmer merklich.

Um 12:00 Uhr gab es dann das letze Essen für uns auf dem Lehrgang. Nach dem erneut überzeugend guten Essen wurde sich verabschiedet, bevor man wieder in alle Richtungen auseinander fuhr.

Der Lehrgang war nach der Meinung aller Teilnehme sehr gut gelungen und es hat den Beteiligten viel Spaß gemacht. Alle Schiedsrichter haben verschiedenste Dinge mitgenommen und können diese jetzt zu ihrem Vorteil nutzen und umsetzen.

Karsten Huth


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