Das war etwas Neues: In den letzten Jahrzehnten galt bei den Darmstädter Schiedsrichtern das ungeschriebene Gesetz, dass Ehrenmitglied der Vereinigung nur
werden könne, wer sich um die Vereinigung in einem Amt in besonderer Weise verdient gemacht hat. Aus gutem Grund wich der Kreisschiedsrichterausschuss im
Rahmen des Kreisschiedsrichtertages davon ab und ernannte Erich Breidert (TSV Nieder-Ramstadt) zum insgeamt zwölften Ehrenmitglied der Vereinigung.
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Die Laudatio von Sebastian Schaab:
Wir ernennen heute Abend unseren Kameraden Erich Breidert zum Ehrenmitglied der Schiedsrichtervereinigung. In den letzten Jahren wurde diese Auszeichnung
immer mit aktiver Mitarbeit in der Vereinigung verbunden. Wir haben uns entschieden, davon dieses Mal bewusst abzuweichen und ein Lebenswerk zu ehren: Seine
positive Ausstrahlung und absolute Begeisterung für das SR-Wesen, seine Zuverlässigkeit und seinen Vorbildcharakter für alle heutigen SR über viele
Jahrzehnte, seine Anreise zu Spielen mit dem Fahrrad, in früheren Jahren aktive Beteiligung/Unterhaltung bei Festivitäten, die Motivation und Beobachtung
von Jung-SRs. Und und und. Mit anderen Worten: Erich, liebevoll der Erzhäuser Moser genannt, ist ein echtes Unikat in unserer Vereinigung. 1976, im Alter
von 39 Jahren, absolvierte er unter KSO Dieter Dreher und Lehrwart Ossi Klein seine Schiedsrichterprüfung und wurde schnell und dann auch für lange Zeit in
der Bezirksklasse eingesetzt. Erich wurde schnell klar, vor allem auch, weil ihm das immer wieder gesagt wurde, dass er mit seinen 39 Jahren zu alt sei, um
als Schiedsrichter etwas zu erreichen, auch wenn er das Potential mitbringe. Dennoch leitete er die ihm zugewiesenen Spiele, darunter auch mehrfach
internationale A-Jugend-Turniere in Langen, bei denen per Los entschieden wurde, wer das Endspiel pfiff, mit großer Freude. Auch Erich hatte mehrfach
Losglück, wie er mir sagte. Als Linienrichter war Erich immer mal wieder im Einsatz, unter anderem beim Jubiläumsspiel 40 Jahre Eiche, für das extra eine
größere Tribüne am Sportplatz aufgebaut wurde.
Während des Gespräches, das ich mit Erich führte, betonte er mehrfach, dass er immer auf die Unterstützung seiner Frau bauen konnte. Neben der SR-Tätigkeit
war Erich nämlich auch noch als Torwart und Jugendtrainer unterwegs und da "brauchst du die Frau dazu", wie Erich das nannte. Dass seine Frau gewissermaßen
genauso positiv verrückt war wie Erich, zeigte sich an einer Begebenheit: Nachdem Erich morgens um 5 Uhr zur Arbeit gegangen war, kam er abends nach Hause,
packte die Tasche und die Frau ins Auto und fuhr nach Bullau, um ein Pokalspiel gegen Weiterstadt zu leiten. Nach einem ordentlichen Ausklang im Vereinsheim
und mit einem frisch erhaltenen Wurstpaket kehrten beide zufrieden, aber sicherlich auch etwas müde um 12 Uhr nachts nach Hause zurück.
Über 2300 Spiele hat Erich geleitet, bis, ja bis der schwarze Tag Anfang 2011 kam. Ein defekter Rückenwirbel zwang Erich, der bis dahin im Alter von 74
Jahren noch immer regelmäßig und mit großem Einsatz Spiele leitete, von heute auf morgen als aktiver Schiedsrichter aufzuhören. Nicht mal mehr ein
Abschiedsspiel war ihm vergönnt, obwohl er sich das auf alle Fälle verdient hätte. Wie Erich mir erzählte, verheilt sein Wirbel inzwischen einigermaßen gut
und er ist schon wieder mehrfach mit dem Fahrrad unterwegs.
Apropos Fahrrad: Als ich Marco fragte, was ihm spontan zu Erich einfällt, sagte er mir: "Erich konntest Du nachts um 1 Uhr anrufen und er stand morgens um
10 Uhr auf dem Sportplatz, um ein Spiel zu leiten. Dabei war ihm keine Distanz zu weit, mit dem Fahrrad fuhr er selbst im hohen Alter noch zu Spielen von
Erzhausen aus quer durch den Kreis, wo andere einfach das Spiel zurückgegeben hätten. Rückgaben gab es quasi keine und wenn, dann entschuldigte Erich sich
bei seinem Anruf tausendmal. Ein Glücksgriff für jeden Ansetzer einfach!"
Eine weitere Begebenheit ereignete sich kürzlich am Rande eines Sportplatzbesuchs von mir. Da war eine Jugendleiterin, die mir - als wir über das Thema
Schiedsrichterwesen ins Gespräch kamen - sagte, dass es für den Jugendbereich einen Paradeschiedsrichter gebe: Der Erich Breidert aus Erzhausen habe es
nämlich immer verstanden, nach den Regeln zu pfeifen, aber gerade bei den Kleinen habe er sich die Zeit genommen, ihnen zu erklären, warum der Einwurf falsch
war, was man beachten müsse etc. Und trotzdem hat er konsequent die Regeln umgesetzt und es gab nie Ärger." Kann es noch ein größeres Kompliment für einen
Schiedsrichter geben?!
Und auch jetzt noch, wo Erich nicht mehr aktiv pfeift, versucht er, nach Möglichkeit zu jeder Pflichtsitzung zu kommen - und er schafft es auch fast immer.
Auch bei den Treffen der Alt-SR ist er an vorderer Front, wenn es um das Stichwort ,Unterhaltung' geht: Kein Treffen ohne den Sänger Erich Breidert, der
seine vorhandenen Sangeskünste immer neu unter Beweis stellt und dazu noch Fotos von seinen zahlreichen Auftritten mit seinem Chor zeigt.
Lieber Erich, wir alle sind sehr froh und glücklich, Dich in unserer Mitte zu wissen, und wir hoffen, dass dies noch viele Jahre so sein wird. Deine
humorvolle Art, Dein freundlicher Umgang mit jedem und Deine Begeisterung für unser gemeinsames Hobby sind Vorbild für uns alle. Aus diesem Grunde haben wir
entschieden, Dich heute Abend zum Ehrenmitglied der Vereinigung zu ernennen.