Als
englische Studenten gegen Ende des 19. Jahrhunderts von ihrer Insel ein
neues Spiel mit auf den Kontinent brachten, bei dem ein Ball von zwei
gegnerischen Mannschaften mit
dem Fuß gespielt und im Tor untergebracht werden musste, stießen sie
damit auf Erstaunen
und gaben sich der Lächerlichkeit preis. Trotzdem war der Siegeszug
dieses Spieles in der Folgezeit, als immer mehr Studenten und Schüler
es betrieben, auch durch Zwangsmaßnahmen behördlicher und schulischer
Stellen nicht mehr aufzuhalten. Es bildeten sich Sportvereine, die sich
dieser neuen Sportart verschrieben.
Die Spielregeln wurden aus England übernommen und mehr als willkürlich
ausgelegt. Als Spielleiter fungierten zumeist die Vorsitzenden beider
Vereine, deren Straßenkleidung (sogar mit Hut) mit der heutigen
sportlichen Kleidung der Schiedsrichter stark kontrastierte. Die
Regelkenntnisse dieser Herren waren mehr als dürftig, größere
Schwierigkeiten als Folgeerscheinungen waren zu erwarten, die
Mannschaften befleißigten sich jedoch noch eines größeren Fair Play als
heute. Schon zu dieser Zeit erkannten verantwortliche Männer, dass die
Spielleiterfunktion von neutralen Herren mit entsprechenden
einheitlichen Regelkenntnissen ausgeübt werden sollte. 1911 gründete
der damalige Geschäftsführer des Deutschen Fußballbundes, Ganß, in
Dortmund die erste Schiedsrichtervereinigung Deutschlands.
Der Erste Weltkrieg zerstörte die Aufwärtsentwicklung des
Fußballspieles, mit ihr auch das zarte Pflänzchen der
schiedsrichterlichen Koordination.
Ein Jahr nach Beendigung des Ersten Weltkrieges wurde im Kaisersaal in
Darmstadt die Schiedsrichtervereinigung Darmstadt und Umgebung
gegründet. Fritz Dillemuth, Fritz Hoffmann, Karl Schreiber (alle
Olympia/SV Darmstadt 1898) und Jakob Eberhardt (Germania Pfungstadt 03)
waren die Gründer dieser Vereinigung. Fritz Eisenhauer vom VfR
Darmstadt wurde etwas später zum Kassierer gewählt.
Obwohl sich zu dieser Zeit die Vereine recht wenig um die
Schiedsrichtersache kümmerten, schufen die verantwortlichen Männer der
Schiedsrichtervereinigung innerhalb kurzer Zeit einen ordentlich
funktionierenden Apparat, so dass sehr bald Schiedsrichter aus dem
Darmstädter Raum in den angrenzenden Regionen gefragt waren.
Einen Rückschlag erlebte man beim ersten "Gautag" in Bensheim, als ein
aus Mannheim zugereister Herr Rieth mit des Wortes Gewalt die Führung
an sich riss. Er förderte den Austausch mit dem Gau Mannheim, manch
gute Kraft aus der hiesigen Vereinigung wurde dadurch jedoch weniger
berücksichtigt und zog sich zurück. Fritz Eisenhauer übernahm dann die
Leitung der Vereinigung, stellte eingeschlichene Mängel wieder ab und
war maßgeblich an der Gründung weiterer Untergruppen in Pfungstadt,
Biblis, Bensheim und Michelstadt beteiligt. Jakob Eberhardt führte die
Pfungstädter Gruppe mit großer Erfahrung, Herr Bauer vom VfR Bürstadt
stand der Bibliser, Philipp Degen von Olympia Lorsch der Bensheimer und
Hans Steinmann der Odenwälder Gruppe in Michelstadt vor. Diese Gruppen,
zusammen mit der von Herrn Schwarz geführten Untergruppe Dieburg,
dürften die Vorläufer der Kreisschiedsrichtervereinigungen Darmstadt,
Bergstraße, Groß-Gerau, Erbach (jetzt Odenwaldkreis) und Dieburg
gewesen sein, wie sie heute in der Region Darmstadt des Hessischen
Fußball-Verbandes bestehen.
Die Arbeit dieser Vereinigungen bestand in der Ausbildung der
Schiedsrichter, der Ausrichtung regelmäßiger Lehrabende unter
Verpflichtung namhafter Redner und der Abstellung von Schiedsrichtern
zu Spielen. Ein reger Austausch der Schiedsrichter untereinander und zu
benachbarten Gauen, wie Mannheim und Heidelberg, wurde gepflegt.
Tagungslokal der Darmstädter Vereinigung zu dieser Zeit war der
Hessische Hof in Darmstadt.
Das Jahr 1923 brachte die Besetzung des Riedgebietes durch die
Franzosen. Die Kameraden des besetzten Gebietes durften dieses nicht
verlassen. So mussten manche Schiedsrichter, die in den unbesetzten
Gebieten wohnten, zu mehreren Spielen an einem Wochenende anreisen.
Niko Kaffenberger, der die Vereinigung in dieser Zeit leitete, trat
zurück. Neuer Vorsitzender wurde Dr. Mehner (ASC Darmstadt), der später
zum Kreis- und Gauvorsitzenden gewählt wurde. Sein Nachfolger wurde
Ludwig Dröll (ASC/SV Darmstadt 1898). Markantester Punkt jener Epoche
war der nach Darmstadt einberufene Vertretertag aller süddeutschen
Schiedsrichter. Eifrige Mitarbeiter im damaligen Vorstand waren die
Kameraden Feick, Fornoff, Glöckner und Knopf.
1929 wurde - wieder unter der Führung von Fritz Eisenhauer - sowie den
Vorstandskollegen Ernst Weißgerber, Philipp Klinger und Niko
Kaffenberger, das zehnjährige Bestehen der Vereinigung mit einer Reihe
sportlicher und kultureller Veranstaltungen gefeiert. Dem damaligen
Festausschuss gehörten die Kollegen Georg Klöckner, Erhardt Scherzer,
Josef Gutjahr und Adolf Leiderer an. Ein Festabend im Fürstensaal war
der gesellschaftliche, ein Fußballpokalturnier auf den Sportplätzen des
VfL Rotweiß und des VfR Darmstadt an der Rheinallee der sportliche
Höhepunkt.
Die nachfolgende wirtschaftliche Krise sowie im politischen Bereich die
Machtübernahme durch den Nationalsozialismus gingen auch an der
Schiedsrichtersache nicht ohne Folgen vorüber.
Philipp Hillgärtner führte die Vereinigung von 1930 bis 1933. Ihm
folgte Julius Lautz, damals ein bekannter Torwart bei Germania
Pfungstadt. Lautz stand der Vereinigung bis Kriegsende 1945 vor und
hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Vereinigung trotz der
schweren Zeiten ihren Aufgaben nachkam. Valentin Döring (TSG 1846
Darmstadt), Jakob Eberhardt (TSV Pfungstadt), Adam Metzler TG 85
Bessungen), Josef Enzler (SKG Bickenbach), Wilhelm Lerch (Germania
Eberstadt), Philipp Reitz (FC Langen), Ernst Härtel (SV Weiterstadt),
Heinrich Sinner (TSV Pfungstadt), August Schuch (Grün-Weiß Darmstadt),
Josef Schuster (FC Langen), Karl Kronz (SSG Langen), Adam Eisinger (TSG
Wixhausen) und Adam Büdinger (TSV Pfungstadt) waren zu dieser Zeit
geachtete Schiedsrichter, die zu höchsten Aufgaben im süddeutschen Raum
herangezogen wurden.
1945 begann die Vereinigung mit zwanzig bis fünfundzwanzig
Schiedsrichtern unter Ernst Härtel (Weiterstadt). Der Krieg hatte auch
hier tiefe Wunden gerissen. Nur nach und nach kehrten
Schiedsrichterkameraden aus der Gefangenschaft zurück. Trotz der
katastrophalen Wirtschafts- und Transportverhältnisse kamen sie ihren
sonntäglichen Einsätzen nach. Von den damaligen Kameraden wurden in
dieser Beziehung neben Opfern und Entbehrungen nebenbei auch noch
Improvisations- und Organisationstalent zur Absolvierung ihrer Aufgaben
und der damit verbundenen Fahrten verlangt.
Einen ungeahnten Aufschwung nahm die Vereinigung in den Jahren nach
1950. Wilhelm Lerch (Germania Eberstadt), der bereits seit 1948 als
stellvertretender Obmann im Amt war, wurde 1950 zum
Kreisschiedsrichterobmann gewählt. Er schuf zusammen mit den Kameraden
Josef Schuster (FC Langen), Adolf Schmidt (SV Darmstadt 98), der
zunächst als Lehrwart fungierte, und Karl-Heinz Stang (SV Darmstadt 98)
sowie Ludwig Kalberlah (Germania Pfungstadt), Lehrwart ab 1960, die
Voraussetzungen, dass - ausgehend von einem Bestand von 50
Schiedsrichtern - im Jahre 1950 bis zum Jahre 1960 allmählich eine
Vereinigung von 110 Schiedsrichtern aufgebaut werden konnte.
Tatkräftige Unterstützung leistete hier der ehemalige
Bezirksschiedsrichterobmann Adam Eisinger, der aus der Darmstädter
Schiedsrichtervereinigung hervorgegangen war. Schiedsrichter wie
Karl-Heinz Stang, Ludwig Kalberlah und Erwin Schieche (TSV
Nieder-Ramstadt, alle Oberliga) und Manfred Kiebel (SV Weiterstadt,
Landesliga) vertraten den Kreis in dieser Zeit in höchsten hessischen
Spielklassen.
1960 wurde das vierzigjährige Bestehen mit einem großen festlichen
Programm gefeiert. Die Herausgabe der Festschrift und die Gestaltung
der Feier stand unter der Leitung von Karl Morgenthal (SKG Bickenbach).
Ludwig Kalberlah übernahm 1960 das Amt des Kreisschiedsrichterobmannes,
Manfred Kiebel (SV Weiterstadt) als Stellvertreter, Rudolf Kirschhöfer
(Schierstein 08) und Hermann Mäding (TSV Nieder-Ramstadt) assistierten
ihm dabei als Lehrwarte und waren verantwortlich für das damalige
Gepräge und den guten Ruf unserer Vereinigung. Um die
Jungschiedsrichter der Vereinigung kümmerte sich seit 1963 Herbert
Fürböck (SV Traisa), 1967 wurde er von Klaus Glinka (TG 75 Darmstadt)
abgelöst. 1968 stieß Helmut Ziegler (SG Eiche Darmstadt) als
Schriftführer zum Kreisschiedsrichterausschuss - ein Amt, dass er mit
kleinen Unterbrechungen bis 2009 inne hatte. Nicht vergessen werden
soll, dass Karl-Heinz Stang seit 1960 das Amt des
Bezirksschiedsrichterobmanns innehatte. Bereits seit 1959 trafen sich
die Schiedsrichter im Darmstädter Braustübchen in Bahnhofsnähe zu ihren
monatlichen Lehrabenden.
1967 schaffte Hermann Mäding den Sprung in die Regionalliga, damals die
zweithöchste Spielklasse in Deutschland. Rudi Schmidt (SV Erzhausen)
und Dr. Schultheiss (FC Alsbach) amtierten in der Oberliga. Oswald
Klein schaffte 1968 den Sprung in die Regionalliga und als Assistent
auf die DFB-Liste, denen er bis 1971 angehörte.
1970 übernahm Oswald Klein (SKV Rot-Weiß Darmstadt) zusammen mit
Manfred Kiebel als stellvertretenden Obmann und Dieter Dreher (TuS
Griesheim) als Lehrwart den Vorsitz der Vereinigung. Bereits damals
wurden entscheidende Weichen für den Ausbau der Vereinigung gestellt.
Mit Dieter Dreher stellte die Vereinigung 1970 erstmals einen
Schiedsrichter in der neuen 2. Bundesliga. 1973 schaffte er gar den
Aufstieg in die erste Liga, in der er die Darmstädter Schiedsrichter
bis 1980 vertrat. In der Landesliga amtierten Wilfried Oßmann (SV
Darmstadt 98), Herbert Fürböck (SV Traisa), Eberhard Bleicher (SSG
Langen), Horst Rühl (TuS Griesheim) und Horst Stadler (Germania
Pfungstadt).
1972 wurde Wilfried Oßmann (SV Darmstadt 98) Obmann der Vereinigung,
Manfred Kiebel als Stellvertreter und Herbert Fürböck (SV Traisa) als
Lehrwart assistierten. Nach langen Jahren wechselten die Schiedsrichter
ihr Sitzungslokal und trafen sich fortan in der Gaststätte Stadt
Budapest in der Darmstädter Heimstädtensiedlung.
1974 wurde Herbert Fürböck zum Obmann gewählt, der durch
Einfallsreichtum und einen besonderen Führungsstil den guten Ruf der
Vereinigung innerhalb der hessischen Schiedsrichtergilde festigte.
Lothar Ruck (TSG Messel) als Einsatzleiter, der Manfred Kiebel als
stellvertretenden Obmann ablöste, Oswald Klein als Lehrwart, Norbert
Brückner (SC Viktoria Griesheim) als Jungschiedsrichterobmann für Klaus
Glinka vervollständigten das Team.
Ab 1976 stießen erneut Manfred Kiebel und Dieter Dreher, der die
Vereinigung 1980 übernahm, zum Gremium des Vorstandes. Flavio Battisti
(TSG Wixhausen) übernahm das Amt des Jungschiedsrichterobmannes und
Willy Gimbel (FCA Darmstadt) wurde stellvertretender
Kreisschiedsrichterobmann, bis ihn 1978 Manfred Kiebel ablöste. Der
Wechsel im Amt des Jungschiedsrichterobmannes war der Tatsache
geschuldet, dass Norbert Brückner der Sprung in die 2. Bundesliga
geglückt war und ihm daher die Zeit fehlte, sich im Kreis weiterhin in
gewohnter Weise zu engagieren.
Dieser Vorstand ergänzte sich im Juli
1981 mit Gerhard Hallstein (SG Arheilgen), der die Einsatzleitung der
Jungschiedsrichter übernahm. Gerhard Hallstein löste wenig später Willy
Gimbel, der zwischenzeitlich die Betreuung der Nachwuchsschiedsrichter
übernommen hatte, als Jungschiedsrichterobmann ab.
Die Mitgliederzahl der Vereinigung betrug zu diesem Zeitpunkt ca. 280
Schiedsrichter, unter denen sich gut ein Viertel Jungschiedsrichter
befanden. Diese Zahl ist bis heute die größte, die die Vereinigung
jemals erreicht hat. In dieser Zeit - 1980 - stieg Norbert Brückner in
die 1. Bundesliga auf. Bis 1992 leitete er Spiele auf höchster Ebene.
1981 war er der erste deutsche Schiedsrichter, der im Rahmen eines neu
eingeführten Austauschs ein Spiel in der Schweizer Bundesliga leitete.
Ebenfalls im März 1982 wurde dann Manfred Kiebel zum Oberhaupt der
Darmstädter Pfeifenmänner gewählt und Fredi Abé (FCA Darmstadt) zu
seinem Vertreter bestimmt. Die Jahreshauptversammlung wählte in den
Vorstand weiterhin Helmut Ziegler als Schriftführer sowie Gerhard
Hallstein als Jungschiedsrichterobmann. Ein Lehrwart konnte in
Ermangelung eines geeigneten Kandidaten nicht gefunden werden.
Allerdings erklärte sich bereits einen Monat später Erich Schranner
(TSV Pfungstadt) bereit, diese Position zu bekleiden. Erich Schranner
war jedoch unter anderem aufgrund seiner beruflichen Situation nicht in
der Lage, dieses Amt in geeigneter Weise auszuüben, weshalb schon ein
halbes Jahr später der frühere Lehrwart Oswald Klein kommissarisch mit
dieser Aufgabe betraut wurde.
Doch auch hier währte das Glück nicht ewig: Oswald Klein stellte sein
Amt aus beruflichen Gründen im November 1983 zur Verfügung. Somit war
die Darmstädter Vereinigung nach knapp einem Jahr wieder ohne Lehrwart.
Doch das sollte sich bald ändern: Der seitherige
Jungschiedsrichterobmann Gerhard Hallstein konnte als Nachfolger
gefunden werden, ein, wie sich später herausstellten sollte,
glücklicher Schachzug der Vereinigung. Günter Claus (SV Weiterstadt)
übernahm die nunmehr zur Disposition stehende Funktion des
Jungschiedsrichterobmannes.
Somit stand bei der Jahreshauptversammlung im März 1984 folgender
Vorstand zur Wahl: Fredi Abé (Kreisschiedsrichterobmann), Günter Claus
(stellvertretender Kreisschiedsrichterobmann und gleichzeitig
Jungschiedsrichterobmann), Gerhard Hallstein (Kreislehrwart) und Helmut
Ziegler als Schriftführer. Noch im selben Jahr übernahm Joachim Laux
(TSG 46 Darmstadt) die Jungschiedsrichter. Die Vereinigung wählte den
Vorstand einstimmig und bezeugte damit ihr Einverständnis zur
geleisteten Arbeit.
Zu Beginn des Jahres 1985 stießen Rainer Lach (Grün-Weiß Darmstadt) und
Wolfram Keller (TuS Griesheim) als Mitglieder ohne Stimmrecht zum
Kreisschiedsrichterausschuss. Rainer Lach teilte die Schiedsrichter für
A- und B-Jugendspiele ein, während Wolfram Keller den Einsatz der
Unparteiischen für die Spiele der Sondermannschaften und Alten Herren
übernahm.
Rainer Jupe (TSG 46 Darmstadt), der bereits seit 1978 in der 2.
Bundesliga eingesetzt wurde, konnte 1985 doch noch den Sprung in die
erste Bundesliga schaffen, der er bis 1987 angehörte. Gerhard Hallstein
assistierte ihm an der Linie, als er 1984 in den damals sogenannten
C-Kader des DFB berufen wurde. Viele Schiedsrichter vertraten die
Vereinigung Darmstadt weiterhin in den höchsten hessischen
Spielklassen: Wendel Konrad (SV Weiterstadt) kam in der Oberliga zum
Einsatz, Hans-Werner Nicklas (SV Darmstadt 98) und Norbert Bremmer (FC
Arheilgen) leiteten Spiele in der Landesliga.
1985 wurde Gerhard Hallstein als Nachfolger von Hagen Bülow, der
ebenfalls den Darmstädter Schiedsrichtern entstammte, Bezirkslehrwart,
so dass in Darmstadt erneut ein Wechsel erforderlich war. Wolfram
Keller übernahm das Amt des Lehrwartes, das er bis 1987 ausübte. Ihm
folgte Klaus März (RW Darmstadt), bevor noch im selben Jahr Peter
Becker (SV Darmstadt 98) die Aufgaben übernahm.
In diese Zeit fielen die ersten Versuche, eine regelmäßig erscheinende
Schiedsrichterzeitung in der Vereinigung zu etablieren. Ein Jahr lang -
bis zum April 1987 - erschienen vier Ausgaben des Darmstädter
SR-Journals, deren Gestaltung Klaus März übernommen hatte. Aufgrund des
großen Aufwandes wurde die Zeitung danach jedoch wieder eingestellt.
Als 1987 Neuwahlen anstanden, wurde Oswald Klein nach 1970 zum zweiten
Mal Obmann der Darmstädter Schiedsrichter. Ihm zur Seite stand als
Stellvertreter mit Rainer Lach ein junger Nachwuchsmann, der erst 1985
zum KSA gestoßen war. Peter Becker als Lehrwart ergänzte den Kern-KSA.
Darüber hinaus stießen zwei neue Gesichter in die Führungsriege der
Vereinigung vor: Anton Kondziella (FC Arheilgen) war kurz zuvor auf
Polen nach Darmstadt gekommen. Seit 1976 Schiedsrichter stand er seiner
dortigen Heimatvereinigung vor und leitete Spiele bis in die dortige
Oberliga. Im neune Ausschuss übernahm er die Ansetzung der Spiele im
AH- und SOMA-Bereich. Dieter Thomasberger löste Joachim Laux an der
Spitze der Jung-Schiedsrichter ab. Schon 1988 musste der nach dem
Rücktritt Peter Beckers das Amt des Lehrwartes übernehmen, Franz
Schydlowski rückte für die Nachwuchsschiedsrichter nach.
1989 stellte Oswald Klein sein Amt als Obmann der Vereinigung zur
Verfügung, Rainer Lach folgte ihm nach, Anton Kondziella übernahm die
Aufgaben des Stellvertreters. Bis 1996 hatte dieses Führungsdoppel
Bestand, so dass es an der Spitze der Vereinigung nach turbulenten
Jahren wieder etwas ruhiger wurde.
Sportlich blieb die Vereinigung erfolgreich: Klaus-Dieter Wenzel (SKG
Ober-Ramstadt), Fritz Brinkwirth (TSG Wixhausen), Jupp Disselhoff (FC
Arheilgen) und Peter Becker (SV Darmstadt 98) vertraten die Vereinigung
in der Oberliga, damals noch die dritthöchste deutsche Spielklasse, mit
gleich sieben Schiedsrichtern war der Kreis in der Landesliga
vertreten: Hans-Jürgen Becker (SV Darmstadt 98), Robert Metzdorf (SG
Eiche Darmstadt), Rudi Mück (VfR Eberstadt), Helmut Schäffer (SKV
Rot-Weiß Darmstadt), Hans Dilling (GW Darmstadt), Flavio Battisti (TSG
Wixhausen) und Gerd Ramge (SKV Rot-Weiß Darmstadt) waren in der
zweithöchsten hessischen Spielklasse aktiv.
Allerdings rissen die Amtswechsel im Kreisschiedsrichterausschuss in
dieser Zeit nicht ab: 1991 schied Franz Schydlowski aus dem Amt,
Michael Imhof (TSG Messel) übernahm die Jungschiedsrichter, die damals
von an die 100 Schiedsrichtern zu den Zeiten von Gerhard Hallstein auf
um die 30 Schiedsrichter geschrumpft war. Nur ein Jahr später gab es
schließlich erneut einen Wechsel im Amt des Lehrwartes: Herbert Daßler
(SV Germania Eberstadt) übernahm das Lehrwesen bis 1994, das dann bis
zum Ende der Wahlperiode 1996 von Rainer Lach in Personalunion mit
ausgeübt wurde, unterstützt von Michael Imhof. In dieser Wahlperiode
ging eine Ära zu Ende: 1993 verließen die Schiedsrichter nach über 20
Jahren die Stadt Budapest und wechselten die Straßenseite in das
Vereinslokal von Eiche Darmstadt. In diesem Jahr fand auf Darmstädter
Initiative zum ersten Mal, gemeinsam mit der Schiedsrichtervereinigung
Groß-Gerau, ein zweitägiger Jungschiedsrichter-Lehrgang statt - in den
ersten Jahren im Kreisjugendheim Dornberg des Kreises Groß-Gerau,
danach im Kreisjugendheim des Kreises Darmstadt in Ernsthofen. Dieser
jährliche Lehrgang hat viel zur Teambildung unter den
Nachwuchsschiedsrichtern beigetragen, sie enger an ihr schwieriges
Hobby binden können.
Als 1996 Neuwahlen anstanden, befand Rainer Lach, dass es Zeit sei,
frisches Blut an die Spitze der Vereinigung zu lassen, und stellte sein
Amt zur Verfügung. Anton Kondziella folgte ihm nach. Lach blieb dem
Ausschuss jedoch als Lehrwart erhalten und führte gleich ein neues
Konzept ein: Um die Spitzenschiedsrichter der Vereinigung gezielter
schulen zu können, wurden die monatlichen Pflichtsitzungen geteilt:
Mittwochs trafen sich die Listenschiedsrichter bei Germania Eberstadt,
Montags darauf die übrigen Schiedsrichter bei TuS Griesheim. So wollte
man auch den Schichtarbeitern entgegen kommen und ihnen den Besuch
einer Sitzung im Monat ermöglichen. Für den Ausschuss bedeutete das
aber letztlich doppelte Arbeit, so dass dieses Konzept 1998 wieder
eingestellt wurde. Kondziellas Stellvertreter in dieser - nach einer
Reform des Hessischen Fußballverbandes - zum ersten Mal von drei auf
vier Jahre erweiterten Amtsperiode wurde Michael Imhof, der weiter für
die Jung-Schiedsrichter verantwortlich blieb.
Im Herbst 1998 fand sich eine kleine Gruppe von
Schiedsrichtern um Michael Imhof, Klaus März und Manfred Schick (FC
Alsbach) zusammen, die das 1987 eingestellte Darmstädter SR-Journal
wieder belebte. Mit Unterstützung einer wechselnden Zahl junger
Nachwuchskräfte gelang es diesmal, das Journal zu einer dauerhaften
Einrichtung zu machen. Fortan erschien die Zeitung viermal im Jahr zu
festen Terminen und entwickelte sich zu einem von den Schiedsrichtern
und Vereinen regelmäßig erwarteten Periodikum.
1998 hatte Rainer Lach gerade seinen Rückzug aus dem Amt des Lehrwartes
angekündigt - ihn zog es auf die Position des Kreisfußballwartes,
nachdem der Amtsinhaber zurückgetreten war, und Michael Imhof war noch
in den Vorbereitungen der Amtsübernahme, als auch Obmann Kondziella
zurücktrat. Das erforderte mitten in der Legislaturperiode eine
komplette Umgestaltung des Kreisschiedsrichterausschusses. Imhof
übernahm das Amt des Obmannes, kündigte aber gleich an, dass er in
diesem Amt nur bis zum Ende der Wahlperiode zur Verfügung stehen könne.
Neuer Stellvertreter wurde Jörg Ballweg (TSV Pfungstadt). Das Amt des
Lehrwartes übernahm Wolfgang Wüst (SCV Griesheim), die
Jungschiedsrichter
übernahm mit Holger Fröhlich (DJK/SSG Darmstadt) ein junger
Nachwuchs-Schiedsrichter, der die inzwischen wieder auf über 60
Schiedsrichter angewachsene Gruppe mit viel Elan und persönlichem
Einsatz führte. Das vom HFV neu eingeführte Amt des Beauftragten für
Öffentlichkeitsarbeit innerhalb des Kern-KSA übernahm ein weiterer
Nachwuchsschiedsrichter: Stefan Bader (TG 75 Darmstadt) stellte sich
dieser Pionieraufgabe. Den Ausschuss vervollständigten Hans-Jürgen
Becker (SV Darmstadt 98) für die Mitgliederbetreuung, sowie einmal mehr
die altgedienten Schiedsrichter Helmut Ziegler als Schriftführer und
Oswald Klein für die Betreuung der Alt-Schiedsrichter und besondere
Aufgaben. Als Sitzungslokal diente fortan der Weiße Schwan in Darmstadt
Arheilgen.
Als 2000 dann Neuwahlen anstanden, stand Michael Imhof
verabredungsgemäß als Obmann nicht mehr zur Verfügung. Der inzwischen
fast sprichwörtlichen "Darmstädter Rotation" wurde ein weiteres Kapitel
angefügt: Wolfgang Wüst (SCV Griesheim) übernahm die Vereinigung, Jörg
Ballweg blieb zweiter Mann. Neuer Lehrwart wurde Peter Unsleber (SV
Darmstadt 98), Michael Imhof übernahm die Öffentlichkeitsarbeit. In
dieser Besetzung blieb der KSA bis 2005 bestehen. Lediglich die
Sitzungslokale wechselten weiter: 2002 zogen die Schiedsrichter vom
Weißen Schwan wieder zu TuS Griesheim, 2004 zum SV Weiterstadt und 2007
einmal mehr zu Eiche Darmstadt. Das zeigt, wie sehr die Schiedsrichter
von einer guten Zusammenarbeit mit den Kreisvereinen abhängen. Nicht
nur an dieser Stelle, auch hinsichtlich des Trainingskreises sind sie
immer auf die Vereine angewiesen. Es ist nicht ausreichend, dass sich
immer wieder erfahrene Spitzenschiedsrichter der Vereinigung in den
Dienst der Sache stellen und Verantwortung übernehmen, gerade in
Darmstadt war das immer der Fall. So haben Schiedsrichter wie Hermann
Mäding, Norbert Brückner, Dieter Dreher, Ossi Klein, Michael Imhof oder
Sebastian Schaab lange den Trainingskreis der Schiedsrichter geleitet,
aus dessen Reihen sich immer die Schiedsrichter rekrutiert haben, die
durch den intensiven Austausch mit ihren Kollegen und regelmäßiges
Training schneller höheren Aufgaben gewachsen waren als andere. Aber
ohne die dankenswerte Bereitschaft der Vereine, den Schiedsrichtern ihr
Trainingsgelände zur Verfügung zu stellen, wäre das nicht möglich
gewesen. So trainierten die Schiedsrichter zum Beispiel auf den
Sportplätzen des TSV Nieder-Ramstadt, von RW und Eiche Darmstadt, des
FC Arheilgen, von Germania Eberstadt, der TSG Wixhausen, des TuS
Griesheim oder der TSG Messel. Dazu gab es in früheren Jahren, als die
kommunalen Haushaltssituationen noch nicht so angespannt waren, immer
wieder die Möglichkeit, den Winter in Sporthallen zu überbrücken, so
den Hallen der Technischen Universität, der Ludwig-Schwamb- oder der
Gutenbergschule in Eberstadt, der Carl-Ulrich-oder der
Käthe-Kollwitz-Schule sowie in Messel.
Die Vereinigung umfasste in diesen Tagen um 2000 herum wieder etwa 240
Schiedsrichter und gehörte damit zu einer der größten in Hessen. Nach
wie vor war sie auch eine der erfolgreichsten: Bereits 1994 hatte
Norbert Dörr (SKG Ober-Ramstadt) den Sprung in die 2. Bundesliga
geschafft, der er fünf Jahre lang angehörte. Der Sprung ganz nach oben
blieb ihm leider verwehrt. In der Oberliga war der Kreis um den
Jahrtausendwechsel mit fünf Schiedsrichtern vertreten: Jörg Ballweg
(TSV Pfungstadt), Michael Imhof (TSG Messel), Peter Unsleber (SV
Darmstadt 98), Walter Vilsmaier (SG Arheilgen) und Wolfgang Wüst (SCV
Griesheim) stellten das größte Kontingent dar, dass in diesen Jahren
aus einem hessischen Kreis in der höchsten hessischen Spielklasse
vertreten war.
Allerdings deutete sich bereits zu dieser Zeit an, dass es einen Bruch
geben würde. Zwar konnte die Vereinigung immer wieder viele talentierte
Nachwuchsschiedsrichter hervorbringen, von denen viele auch den Sprung
in die Landesliga schafften, dort konnten sie sich aber weder auf Dauer
etablieren noch sich für weitere Aufgaben empfehlen. In diesem
Zusammenhang seien Christopher Schmidt (SV Weiterstadt), Holger
Fröhlich (DJK/SSG Darmstadt), Peter Sägebrecht (TSV Eschollbrücken),
Marcel Guth (SKG Bickenbach), Michael Losansky (FSV Schneppenhausen),
Nils Hallstein (Germania Eberstadt) oder Jens Kindinger (SKG Roßdorf)
genannt.
Um diesen Umbruch nicht zu einem Einbruch werden zu lassen, gründeten
nach intensiver Vorbereitung elf Schiedsrichter der Vereinigung am 8.
Januar des Jahres 2002 einen Förderverein: Der Freundeskreis der
Fußballschiedsrichter im Fußballkreis Darmstadt e.V. sollte mithelfen,
die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um den Nachwuchs
gezielter zu unterstützen. Insbesondere die Persönlichkeitsbildung
sollte unterstützt werden, da die Schiedsrichter längst in viel
jüngeren Jahren in höchsten Spielklassen eingesetzt und in dieser
Hinsicht besonders gefordert wurden. Die Gründungsversammlung wählte
Rolf Teller (Spielvereinigung Seeheim-Jugenheim) zum ersten
Vorsitzenden, Sebastian Schaab (SKG Gräfenhausen) zu seinem
Stellvertreter und Helmut Ziegler (SG Eiche Darmstadt) zum
Schatzmeister. Diese drei entwickelten den Verein in den folgenden
Jahren mit viel Engagement und Ideen zu einer festen Stütze der
Vereinigung, der weiter das operative Geschäft oblag. Die weiteren
Gründungsmitglieder waren Oswald Klein (RW Darmstadt), Sepp Vilsmaier
(SG Arheilgen), Wolfgang Wüst (SCV Griesheim), Walter Vilsmaier (SG
Arheilgen), Daniela Hinz (TSV Eschollbrücken), Holger Fröhlich (DJK/SSG
Darmstadt), Christopher Schmidt (SV Weiterstadt) und Michael Imhof (TSG
Messel). Bald gehörten dem Verein praktisch alle Schiedsrichter des
Kreises an.
2005 musste eine der Kernaufgaben des KSA umbesetzt werden: Peter
Unsleber, der sich durch seine hervorragende Arbeit einen Namen über
den Kreis hinaus gemacht hatte, wechselte als Lehrwart in den Bezirk.
Einmal mehr hatte der Kreis einen seiner fähigsten Leute für höhere
Aufgaben abgegeben. Ihm folgte Sebastian Schaab nach, der damit sein
Amt im Freundeskreis aufgab. Dort folgte ihm Olaf Zwieschkowski nach,
ein junger Schiedsrichter, den es kurz zuvor aus Brandenburg nach
Darmstadt verschlagen hatte.
Bereits 2003 hatte Oswald Klein aus Altersgründen die Betreuung der
Altschiedsrichter abgegeben und 2004 war Holger Fröhlich nach vielen
Jahren ausgesprochen engagierter und erfolgreicher Arbeit aus der
Jungschiedsrichterbetreuung ausgestiegen. Ihm folgte Evangelos Pakos
(Hellas Darmstadt) nach, die Ansetzung des Nachwuchses übernahm Markus
Volk (SG Modau). Darüber hinaus wurde der KSA seit 2000 unterstützt von
Hans-Jürgen Becker (SV Darmstadt 98, Mitgliederbetreuung), Werner
Rückert (FC Ober-Ramstadt, Ansetzung Alte Herren, Sonder- und
Freizeitmannschaften), Helmut Ziegler (Eiche Darmstadt, Schriftführer)
und Sepp Vilsmaier (SG Arheilgen, Verwaltung).
2007 konnte nach eineinhalb Jahren Vakanz mit Jens Weber (SV Traisa)
die Position des stellvertretenden Vorsitzenden des Freundeskreises
wiederbesetzt werden. Olaf Zwieschkowski hatte es wieder nach
Brandenburg gezogen. Zudem gründete sich in diesem Jahr, nachdem lange
davon gesprochen worden war, um Oliver Krause (SKG Ober-Beerbach),
einem der erfahrensten Schiedsrichter der Vereinigung, der über
zweieinhalb Jahrzehnte immer wieder mit viel Pech an der Verbandsliste
vorbeigeschrammt war, ein Vergnügungsausschuss. Zusammen mit Markus
Volk, Evangelos Pakos, Nils Hallstein und Rudi Mück kümmerte er sich um
die Alt-Schiedsrichter - eine Aufgabe, die seit Oswald Kleins Rückzug
brach gelegen hatte. Außerdem oblag ihnen die Organisation des
jährlichen Grillens anlässlich der Leistungsprüfung sowie die eines
jährlichen Weihnachtsessens der Schiedsrichter, das 2007 eingeführt
wurde und sich schnell wachsender Beliebtheit erfreute.
Trotz allen Engagements konnte der zahlenmäßige Rückgang der
Darmstädter Schiedsrichter allerdings nicht gestoppt werden. Als 2008
erneut Wahlen anstanden, war die Zahl der Schiedsrichter auf unter 170
geschrumpft, die Jungschiedsrichtergruppe zählte nur noch etwa 30
Schiedsrichter. Da war es nur ein schwacher Trost, dass es sich hierbei
um ein hessenweites Phänomen handelte: Innerhalb weniger Jahre war die
Zahl der hessischen Schiedsrichter von 7500 um etwa 2000 geschrumpft.
Die Gründe waren vielschichtig, lagen nicht zuletzt in veränderten
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die die Attraktivität des
Schiedsrichterwesens schrumpfen ließen. Viel mehr noch schmerzte die
Vereinigung, dass die Verbandsliste langsam aber allmählich ausblutete.
Die alten Hasen, die über viele Jahre Darmstadts Fahnen in Hessen
hochgehalten hatten, verließen einer nach dem anderen aus
verschiedensten Gründen die Liste und Nachwuchskräfte der Vereinigung
konnten sich dort weiterhin nicht etablieren. Damit fehlten
zwangsläufig die Vorbilder, an denen sich der Nachwuchs orientieren
konnte, damit fehlten Plätze an der Linie, an denen die Schiedsrichter
Erfahrungen für ihre eigene spätere Tätigkeit in höheren Klassen
sammeln konnten.
Ins Bild passte, dass der Trainingskreis seit vielen
Jahren nur noch sehr schlecht besucht war und gerade von den
Nachwuchsschiedsrichtern, für deren Ausbildung er eigentlich seit je
her gedacht ist, nicht mehr angenommen wurde. Nachdem er praktisch
allen Darmstädter Listenschiedsrichtern als Sprungbrett für ihre
Karriere gedient hatte, war angesichts der vielen hochklassigen
Schiedsrichter aus Darmstadt vielleicht der Eindruck entstanden, dass
es ein Automatismus sei, sich irgendwann in einer höheren Spielklasse
wieder zu finden. Sollte das der Fall gewesen sein, handelte es sich um
eine fatale Fehleinschätzung.
Je schwächer der Kreis auf der Verbandsliste vertreten war, um so
stärker wurde in diesen Jahren die Präsenz Darmstädter Schiedsrichter
auf Funktionärsebene über den Kreis hinaus. Norbert Brückner arbeitete
von 1999 bis 2004 im Verbandsschiedsrichterausschuss mit und reformiert
dort grundlegend das hessische Beobachtungswesen, zum ersten Mal
urteilten die Beobachter aufgrund nachvollziehbarer Kriterien. Er
selbst beobachtete bis 2004 selbst Schiedsrichter bis in die 1.
Bundesliga. Ihm folgte 2004 Michael Imhof, der im
Verbandsschiedsrichterausschuss zunächst das Beobachtungswesen der
Landesliga betreute und anschließend zwei Jahre lang bis zu seinem
Ausscheiden für die Öffentlichkeitsarbeit der hessischen Schiedsrichter
verantwortlich zeichnete. Neben Peter Unsleber, der bereits seit 2005
Bezirkslehrwart war, folgte 2006 Walter Vilsmaier als Obmann auf
Bezirksebene, nachdem Rainer Röder aus dem Odenwaldkreis, der wiederum
Karl-Heinz Stang beerbt hatte, sich nach langen Jahren zurückgezogen
hatte. Vorher war Walter Vilsmaier bereits einige Jahre als
Stellvertreter im Bezirk tätig. Beide bildeten auch nach den Wahlen
2008 die Spitze des Bezirkes, der sich mit der Strukturreform des
Hessischen Fußballverbandes ab diesem Jahr Region nannte und direkt an
den Verband angegliedert war. Als Mitglieder des erweiterten
Verbandsschiedsrichterausschusses waren sie für die Betreuung der
Region Darmstadt abgeordnet. Diese Umstrukturierung des Verbandes kam
Darmstadt in so weit gelegen, als dass die Assistentenansetzung jetzt
aus der Region heraus erfolgte, so dass der Wegfall der vielen
Verbandslistenschiedsrichter des Kreises sich nicht ganz so dramatisch
auswirkte.
Mit der Umstrukturierung des Verbandes, dem faktischen Wegfall der
Bezirke, die Regionen waren im Grunde nur noch Verwaltungseinheiten des
Verbandes, erfolgte auch eine Umbenennung der Spielklassen: nachdem der
DFB inzwischen eine 1., 2. und 3. Liga eingeführt hatte und auf der
Ebene der Regionalverbände Regionalligen spielten, war die Hessenliga
als höchste hessische Spielklasse jetzt nur noch die fünfthöchste
Spielklasse. Darunter folgte die Verbandsliga (ehemalige Landesliga),
darunter die Gruppenliga (vorher Bezirksoberliga; die erste
Spielklasse, die mit SR-Teams besetzt wurde), darunter die
Kreisoberliga (vormals Bezirksliga), darunter die Kreisligen A bis D,
wobei die Kreisligen C und D im wesentlichen die seit einigen Jahren in
Konkurrenz spielenden Reserveteams beherbergten.
Die Wahlen 2008 brachten dem Kreis Darmstadt nach acht Jahren einen
neuen Obmann - so lange hatte zuvor schon lange keiner mehr
durchgehalten: Wilhelm Lerch (Germania Eberstadt) hatte die Vereinigung
von 1950 bis 1960 zehn Jahre lang geführt. Mit Sebastian Schaab (SKG
Gräfenhausen) übernahm ein junger Schiedsrichter im Alter von 27 Jahren
die Vereinigung, ebenso jung war sein neuer Lehrwart: Christian Ude (FC
Arheilgen zeichnete für das Lehrwesen verantwortlich. Stellvertretender
Obmann blieb zunächst weiter Jörg Ballweg, der jedoch bereits ein
halbes Jahr später nach zehn Jahren auf dieser Position zurücktrat und
durch Marco Reibold (TSV Nieder-Ramstadt), mit 28 Jahren ebenfalls noch
jung an Jahren, ersetzt wurde, der im Frühjahr die Jungschiedsrichter
übernommen hatte. Für die Öffentlichkeitsarbeit zeichnete weiter
Michael Imhof verantwortlich. Nach wie vor unterstützen Helmut Ziegler
als Schriftführer den KSA sowie Wolfgang Wüst, der sich weiter in den
Dienst der Sache stellte und das Lehrwesen bei den Jungschiedsrichtern
übernahm. Zudem blieben Hans-Jürgen Becker (SV Darmstadt 98,
Mitgliederbetreuung) und Werner Rückert (FC Ober-Ramstadt, Ansetzung
Alte Herren, Sonder- und Freizeitmannschaften) weiter ihren seitherigen
Aufgaben treu.
Dieser Ausschuss hat in den kommenden Jahren viel Arbeit vor sich. Es
gilt nicht mehr oder weniger als den Schiedsrichterrückgang zu stoppen
und wieder den einen oder anderen Schiedsrichter dauerhaft für den
Verband interessant zu machen. Das sollte das Ziel sein, bis die
Vereinigung ihr 100-jähriges Jubiläum feiert.
Oswald Klein, Michael Imhof