Ein
Drittel aller Kreisvereine war der
Einladung von Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Schaab zu einem
Gedankenaustausch mit
dem Kreisschiedsrichterausschuss gefolgt. Dieser war denn auch fast
vollständig erschienen, um sich die Sorgen und Nöte der Vereine
anzuhören, aber auch um eigene Vorstellungen zu erläutern. Immerhin war
die letzte und bisher
einzige dieser Veranstaltungen so lange her, dass sich niemand mehr
daran erinnern konnte,
ob sie vor zehn oder eher 15 Jahren stattgefunden hat.
So freute sich Schaab zunächst über die unerwartet
große Resonanz der
Vereine auf dieses bewusst nicht als Pflichttermin deklarierte Angebot.
Der Termin war nicht zufällig unmittelbar nach der gemeinsamen
Vorabmeldung des Ergebnisses der Schiedsrichter-Sollerfassung durch
Kreisfußballwart Michael Sobota und Schaab gewählt. Gerade die Vereine,
die massiv von
Geldstrafen oder sogar Punktabzügen betroffen sein werden, sollten so
die Gelegenheit erhalten, noch vor dem in der zweiten Januarhälfte
anstehenden Ausbildungslehrgang für interessierte
Schiedsrichter-Anwärter Informationen über die Möglichkeiten der
Schiedsrichter-
Werbung und -Erhaltung zu erhalten. Noch stehen knapp die Hälfte der
Lehrgangsplätze zur Verfügung. Schaab legte eine Prognose vor,
nach der sich die Zahl der zu erwartenden Punktabzüge in der kommenden
Saison fast verdoppeln werde. Auch die prognostizierten Geldstrafen
werden gegenüber heute weiter steigen.
In
diesem Zusammenhang bat jedoch auch gerade Kreislehrwart Christian
Ude die anwesenden
Vereinsvertreter, bei der Auswahl der Kandidaten - bei aller
Schwierigkeit, die die Suche nach
solchen mit sich bringt - dieselben Maßstäbe anzulegen, die man auch an
die Schiedsrichter anlege, die die Spiele des eigenen Vereins leiteten.
Weiterhin deutete er einmal mehr an, dass gerade im Bereich der 25- bis
40-jährigen Schiedsrichter eine große Lücke klaffe.
Ralph Rumey (SG Eiche Darmstadt) schlug vor, verstärkt zu versuchen,
ehemalige Schiedsrichter erneut von der Aufgabe zu begeistern oder
ausscheidende aktive Spieler anzusprechen. Schaab erklärte
die grundsätzliche Bereitschaft von Schiedsrichterseite,
in den Vereinen Informationsveranstaltungen für mögliche Zielgruppen
durchzuführen.
Der
Blick auf die fehlenden Schiedsrichter mittleren Alters dürfe
jedoch nicht davon ablenken,
dass auch im Bereich der Jung-Schiedsrichter stets Bedarf bestehe, so
Michael Imhof, Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit im KSA: Zum einen
rekrutieren sich aus diesem Bereich die aktiven Schiedsrichter der
Zukunft, zum anderen lässt es sich nicht verhindern, dass viele im
Laufe
der Zeit erkennen, dass die Schiedsrichterei für sie doch nicht das
richtige Hobby ist, und die
Pfeife wieder an den Nagel hängen. Auch Zwölfjährige, so Imhof, könnten
bereits wertvolle Schiedsrichter sein, letztendlich gebe es in diesem
Altersbereich eine sehr große Bandbreite in
der Persönlichkeitsentwicklung. Man müsse allerdings eine individuelle
Ansetzung dieser Schiedsrichter
sicherstellen, die auf den persönlichen Entwicklungsstand jedes
Einzelnen Rücksicht nehme. In diesem Zusammenhang schlug Rumey vor,
Nachwuchsschiedsrichter auch im Bereich der F-Jugend und
Bambinis einzusetzen, wenn das Einzelne vor einer Überforderung zu
Beginn ihrer Schiedsrichtertätigkeit schützen helfe - eine Idee, die im
Kreis aller Anwesenden großen Anklang fand. Nur so könne man dann, wenn
die Schiedsrichter einige Jahre später an das Aktivenlager anklopfen,
auf Nachwuchs zurückgreifen, der bereits einige Jahre
Erfahrung mit der schwierigen Aufgabe aufweise. Schaab versprach, diese
Anregung mitzunehmen und eine
mögliche Umsetzung mit dem Kreisjugendausschuss zu diskutieren.
Schließlich gelte es zu bedenken,
dass für die F-Jugend im Bereich der Regeln einige Sonderregelungen
gelten, zum anderen könne
dann unter Umständen keine durchgängige Besetzung der Spiele
der E-Jugend-Kreisliga
mehr sicher gestellt werden.
Dass die Jung-Schiedsrichter anfangs eine
besonders intensive Betreuung brauchen, war auch das Anliegen von
Christophe Hotz (SV Erzhausen), der
selbst als Schiedsrichter aktiv ist. Er betonte, dass es dem Nachwuchs
in der Regel
zunächst schon schwer falle, sich in der recht reglementierten Welt des
Schiedsrichters
mit allen seinen Pflichten zurecht zu finden. Er bat darum, seitens des
KSA schneller den
Kontakt zum Schiedsrichterbeauftragten des Vereins zu suchen, wenn ein
Nachwuchsmann
seinen Aufgaben nicht so nachkomme, wie man das erwarten dürfe.
Vielleicht, so Hotz, ließen sich so
einige überflüssige Strafen vermeiden, für die letztlich Vereine
geradestehen müssen.
Dass man Interessenten noch vor dem Neulingslehrgang vor allem detailliert auf alle ihre Pflichten hinweisen sollte, wie einige der Anwesenden empfahlen, fand Rumey nicht: "Am Anfang ist die Begeisterung, die es zu pflegen gilt. Wenn einer ein Mädchen kennen lernt, sagt die ihm ja auch nicht gleich, was ihn später alles noch erwartet..." Einigkeit dagegen herrschte in der Auffassung, dass man seitens der Vereine dem Nachwuchs schon Grenzen aufzeigen sollte, wenn die Forderungen hinsichtlich Ausstattung überhand nehmen: Kein Schiedsrichter braucht am Anfang Trikots in allen denkbaren Farben, keiner braucht einen Trainingsanzug. Ein Schiedsrichter, so Schaab, brauche zunächst vor allem ein schwarzes Trikot. Ude und Imhof empfahlen, einen Schiedsrichter schlichtweg einfach so zu behandeln, als sei er Spieler der ersten Mannschaft, denn für die sichere er im Zweifel über das Schiedsrichtersoll ja auch Punkte. Ein Spieler bezahle sich sein Trikot schließlich auch nicht selbst. Und wenn man sich der Sache bei einem Nachwuchsmann nicht sicher sei, könne man ihm die Schiedsrichterkleidung ja zunächst leihweise zur Verfügung stellen. Empfehlenswert sei es schließlich, bei der Ausstattung auf Artikel des jeweils gängigen Herstellers zurück zu greifen, weil das spätestens dann unausweichlich sei, wenn ein Jung-Schiedsrichter als Assistent eingesetzt werde.
Unverständnis herrschte bei vielen Anwesenden, dass der DFB zwar
vorsehe, dass man mit zwölf
Jahren die Schiedsrichterprüfung ablegen dürfe, dass Schiedsrichter in
Hessen aber erst im Alter von 14 Jahren auf das Pflichtsoll des Vereins
angerechnet würden. Auch die Regelung, dass
Vereine für eine Jugendabteilung unabhängig von der tatsächlichen
Anzahl gemeldeter
Mannschaften immer genau einen Schiedsrichter stellen müssten, wurde
als ungerecht empfunden. Ebenso fehle eine Belohnung für die Vereine,
die ihr Schiedsrichtersoll deutlich übererfüllten.
Über bestehende "Schiedsrichterwechselbörsen" dürfe sich so niemand
wundern.
Das, so Schaab, könne jedoch nur von den Vereinen selbst mittels Antrag
im Rahmen eines Verbandsfußballtages geändert werden.
Nicht folgen dagegen mochte der KSA um Sebastian Schaab dem
Vorschlag von Klaus Reibold (TSV Nieder-Ramstadt), das Thema
Entschuldigungen für Pflichtsitzungen flexibler zu handhaben.
Reibold fragte an, ob es nicht ausreichend sei, sich für ein
Fernbleiben von einem Pflichttermin bei einem beliebigen KSA-Mitglied
zu entschuldigen. Schaab wies jedoch darauf hin, dass die Vergangenheit
gezeigt habe, dass ein solches Vorgehen immer wieder zu
Reibungsverlusten führe, in deren Folge dann der KSA im ohnehin sehr
zeitintensiven Tagesgeschäft, die Verantwortung dafür trage, dass keine
Information verloren gehe. Den Schiedsrichtern sei bekannt, dass im
Aktivenbereich ausschließlich er Entschuldigungen annehme, im
Jung-Schiedsrichterbereich Marco Reibold.
Einig waren sich dagegen alle Beteiligten, dass die Qualität der
Schiedsrichter in den
vergangenen Jahren stetig zugenommen habe. Auch wolle man künftig die
Kommunikation
zwischen Vereinen und Schiedsrichtergremien stärken - und die nächste
Veranstaltung
dieser Art nicht erst durchführen, wenn sich keiner mehr an die letzte
erinnern
kann.