Schiedsrichterbeauftragte Verein und KSA treffen sich zum Gedankenaustausch


Ein Drittel aller Kreisvereine war der Einladung von Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Schaab zu einem Gedankenaustausch mit dem Kreisschiedsrichterausschuss gefolgt. Dieser war denn auch fast vollständig erschienen, um sich die Sorgen und Nöte der Vereine anzuhören, aber auch um eigene Vorstellungen zu erläutern. Immerhin war die letzte und bisher einzige dieser Veranstaltungen so lange her, dass sich niemand mehr daran erinnern konnte, ob sie vor zehn oder eher 15 Jahren stattgefunden hat.

So freute sich Schaab zunächst über die unerwartet große Resonanz der Vereine auf dieses bewusst nicht als Pflichttermin deklarierte Angebot. Der Termin war nicht zufällig unmittelbar nach der gemeinsamen Vorabmeldung des Ergebnisses der Schiedsrichter-Sollerfassung durch Kreisfußballwart Michael Sobota und Schaab gewählt. Gerade die Vereine, die massiv von Geldstrafen oder sogar Punktabzügen betroffen sein werden, sollten so die Gelegenheit erhalten, noch vor dem in der zweiten Januarhälfte anstehenden Ausbildungslehrgang für interessierte Schiedsrichter-Anwärter Informationen über die Möglichkeiten der Schiedsrichter- Werbung und -Erhaltung zu erhalten. Noch stehen knapp die Hälfte der Lehrgangsplätze zur Verfügung. Schaab legte eine Prognose vor, nach der sich die Zahl der zu erwartenden Punktabzüge in der kommenden Saison fast verdoppeln werde. Auch die prognostizierten Geldstrafen werden gegenüber heute weiter steigen.

Treffen der Schiedsrichterbeauftragten 2009

In diesem Zusammenhang bat jedoch auch gerade Kreislehrwart Christian Ude die anwesenden Vereinsvertreter, bei der Auswahl der Kandidaten - bei aller Schwierigkeit, die die Suche nach solchen mit sich bringt - dieselben Maßstäbe anzulegen, die man auch an die Schiedsrichter anlege, die die Spiele des eigenen Vereins leiteten. Weiterhin deutete er einmal mehr an, dass gerade im Bereich der 25- bis 40-jährigen Schiedsrichter eine große Lücke klaffe.

Ralph Rumey (SG Eiche Darmstadt) schlug vor, verstärkt zu versuchen, ehemalige Schiedsrichter erneut von der Aufgabe zu begeistern oder ausscheidende aktive Spieler anzusprechen. Schaab erklärte die grundsätzliche Bereitschaft von Schiedsrichterseite, in den Vereinen Informationsveranstaltungen für mögliche Zielgruppen durchzuführen.

Ralph Rumey

Der Blick auf die fehlenden Schiedsrichter mittleren Alters dürfe jedoch nicht davon ablenken, dass auch im Bereich der Jung-Schiedsrichter stets Bedarf bestehe, so Michael Imhof, Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit im KSA: Zum einen rekrutieren sich aus diesem Bereich die aktiven Schiedsrichter der Zukunft, zum anderen lässt es sich nicht verhindern, dass viele im Laufe der Zeit erkennen, dass die Schiedsrichterei für sie doch nicht das richtige Hobby ist, und die Pfeife wieder an den Nagel hängen. Auch Zwölfjährige, so Imhof, könnten bereits wertvolle Schiedsrichter sein, letztendlich gebe es in diesem Altersbereich eine sehr große Bandbreite in der Persönlichkeitsentwicklung. Man müsse allerdings eine individuelle Ansetzung dieser Schiedsrichter sicherstellen, die auf den persönlichen Entwicklungsstand jedes Einzelnen Rücksicht nehme. In diesem Zusammenhang schlug Rumey vor, Nachwuchsschiedsrichter auch im Bereich der F-Jugend und Bambinis einzusetzen, wenn das Einzelne vor einer Überforderung zu Beginn ihrer Schiedsrichtertätigkeit schützen helfe - eine Idee, die im Kreis aller Anwesenden großen Anklang fand. Nur so könne man dann, wenn die Schiedsrichter einige Jahre später an das Aktivenlager anklopfen, auf Nachwuchs zurückgreifen, der bereits einige Jahre Erfahrung mit der schwierigen Aufgabe aufweise. Schaab versprach, diese Anregung mitzunehmen und eine mögliche Umsetzung mit dem Kreisjugendausschuss zu diskutieren. Schließlich gelte es zu bedenken, dass für die F-Jugend im Bereich der Regeln einige Sonderregelungen gelten, zum anderen könne dann unter Umständen keine durchgängige Besetzung der Spiele der E-Jugend-Kreisliga mehr sicher gestellt werden.

Dass die Jung-Schiedsrichter anfangs eine besonders intensive Betreuung brauchen, war auch das Anliegen von Christophe Hotz (SV Erzhausen), der selbst als Schiedsrichter aktiv ist. Er betonte, dass es dem Nachwuchs in der Regel zunächst schon schwer falle, sich in der recht reglementierten Welt des Schiedsrichters mit allen seinen Pflichten zurecht zu finden. Er bat darum, seitens des KSA schneller den Kontakt zum Schiedsrichterbeauftragten des Vereins zu suchen, wenn ein Nachwuchsmann seinen Aufgaben nicht so nachkomme, wie man das erwarten dürfe. Vielleicht, so Hotz, ließen sich so einige überflüssige Strafen vermeiden, für die letztlich Vereine geradestehen müssen.

Christophe Hotz

Dass man Interessenten noch vor dem Neulingslehrgang vor allem detailliert auf alle ihre Pflichten hinweisen sollte, wie einige der Anwesenden empfahlen, fand Rumey nicht: "Am Anfang ist die Begeisterung, die es zu pflegen gilt. Wenn einer ein Mädchen kennen lernt, sagt die ihm ja auch nicht gleich, was ihn später alles noch erwartet..." Einigkeit dagegen herrschte in der Auffassung, dass man seitens der Vereine dem Nachwuchs schon Grenzen aufzeigen sollte, wenn die Forderungen hinsichtlich Ausstattung überhand nehmen: Kein Schiedsrichter braucht am Anfang Trikots in allen denkbaren Farben, keiner braucht einen Trainingsanzug. Ein Schiedsrichter, so Schaab, brauche zunächst vor allem ein schwarzes Trikot. Ude und Imhof empfahlen, einen Schiedsrichter schlichtweg einfach so zu behandeln, als sei er Spieler der ersten Mannschaft, denn für die sichere er im Zweifel über das Schiedsrichtersoll ja auch Punkte. Ein Spieler bezahle sich sein Trikot schließlich auch nicht selbst. Und wenn man sich der Sache bei einem Nachwuchsmann nicht sicher sei, könne man ihm die Schiedsrichterkleidung ja zunächst leihweise zur Verfügung stellen. Empfehlenswert sei es schließlich, bei der Ausstattung auf Artikel des jeweils gängigen Herstellers zurück zu greifen, weil das spätestens dann unausweichlich sei, wenn ein Jung-Schiedsrichter als Assistent eingesetzt werde.

Treffen der Schiedsrichterbeauftragten 2009

Unverständnis herrschte bei vielen Anwesenden, dass der DFB zwar vorsehe, dass man mit zwölf Jahren die Schiedsrichterprüfung ablegen dürfe, dass Schiedsrichter in Hessen aber erst im Alter von 14 Jahren auf das Pflichtsoll des Vereins angerechnet würden. Auch die Regelung, dass Vereine für eine Jugendabteilung unabhängig von der tatsächlichen Anzahl gemeldeter Mannschaften immer genau einen Schiedsrichter stellen müssten, wurde als ungerecht empfunden. Ebenso fehle eine Belohnung für die Vereine, die ihr Schiedsrichtersoll deutlich übererfüllten. Über bestehende "Schiedsrichterwechselbörsen" dürfe sich so niemand wundern. Das, so Schaab, könne jedoch nur von den Vereinen selbst mittels Antrag im Rahmen eines Verbandsfußballtages geändert werden.

Nicht folgen dagegen mochte der KSA um Sebastian Schaab dem Vorschlag von Klaus Reibold (TSV Nieder-Ramstadt), das Thema Entschuldigungen für Pflichtsitzungen flexibler zu handhaben. Reibold fragte an, ob es nicht ausreichend sei, sich für ein Fernbleiben von einem Pflichttermin bei einem beliebigen KSA-Mitglied zu entschuldigen. Schaab wies jedoch darauf hin, dass die Vergangenheit gezeigt habe, dass ein solches Vorgehen immer wieder zu Reibungsverlusten führe, in deren Folge dann der KSA im ohnehin sehr zeitintensiven Tagesgeschäft, die Verantwortung dafür trage, dass keine Information verloren gehe. Den Schiedsrichtern sei bekannt, dass im Aktivenbereich ausschließlich er Entschuldigungen annehme, im Jung-Schiedsrichterbereich Marco Reibold.

Treffen der Schiedsrichterbeauftragten 2009

Einig waren sich dagegen alle Beteiligten, dass die Qualität der Schiedsrichter in den vergangenen Jahren stetig zugenommen habe. Auch wolle man künftig die Kommunikation zwischen Vereinen und Schiedsrichtergremien stärken - und die nächste Veranstaltung dieser Art nicht erst durchführen, wenn sich keiner mehr an die letzte erinnern kann.



Die Folien im PDF-Format, anhand derer Sebastian Schaab den Vereinsvertretern die Thematik vorstellte, können Sie sich an dieser Stelle herunterladen.


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