Darmstädter Schiedsrichter sagen "Nein! zu Diskriminierung und Gewalt"


Nach dem Ende der Projekte "ballance hessen", das sich für Integration Toleranz und Fair Play eingesetzt hat sowie "Interkulturelles Konfliktmanagement im Fußball", hat der Hessische Fußballverband seine sozialpolitischen Aktivitäten im Fair-Play-Forum gebündelt, das unter dem Dach der Sozialstiftung des Hessischen Fußballs seinen Platz gefunden hat, die der Hessische Fußballverband aus Mitteln des DFB nach der Fußball-WM 2006 gegründet hat.
Das Fair-Play-Forum bündelt vier Kernthemen:

  1. Fair Play. Darunter fallen die Fair-Play-Wertungen in einzelnen Ligen und die damit verbundenen Auszeichnungen der Sieger am Ende der Saison. Darunter fallen aber auch die Fair-Play-Meldungen durch Vereinsoffizielle oder Schiedsrichter für besonders faires Verhalten.
  2. Kindeswohl ist ein Aspekt, der erst in den letzten Jahren, nachdem das Thema in der Öffentlichkeit einen höheren Stellenwert erlangt hat, in den Fokus des Fußballs gerückt ist. Der HFV wird hier kein eigenes Know-How aufbauen, sondern sich der Experten des Landessportbundes als Dachverband bedienen.
  3. Gewaltprävention und Konfliktmanagement. Nach wie vor werden Mediationen und Konflikttrainings angeboten, sowie Teamentwicklungsmaßnahmen für Mannschaften.
  4. Toleranz und Integration. Neben Straßenfußball für Toleranz ist dies der Baustein, der sich in besonderer Weise an Vereine und Schiedsrichter wendet.

Und der Baustein, den sich die Darmstädter Schiedsrichter im April zu Eigen gemacht haben: "Nein! zu Diskriminierung und Gewalt" heißt die Kampagne, mit der Schiedsrichter und Vereine ihre Werte, für die sie stehen, öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen können. Zu Zeiten von ballance hessen hieß die Vorgänger-Aktion noch "Nein! zu Rassismus und Gewalt". Jetzt ist der Fokus bewusst erweitert worden.

Darmstädter Schiedsrichter sagen “Nein! zu Diskriminierung und Gewalt”
Sie alle unterstützen die Kampagne "Nein! zu Diskriminierung und Gewalt" des Fair-Play-Forums des Hessischen Fußball-Verbandes.

Im Leitbild des Hessischen Fußballverbandes heißt es dazu:
"Ein aktives Eintreten gegen jede Form der Diskriminierung, insbesondere aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Herkunft, Hautfarbe, Migrationshintergrund oder Religion gehört zu den zentralen Aufgaben eines modernen Fußballverbandes, so auch des HFV."
Und weiter:
"Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen gefährden nicht nur die beteiligten Personen, sondern auch den Spielbetrieb des HFV. Daher setzt sich die Kommission für ein konsequentes Fair-Play, eine moderne Sportgerichtsbarkeit und ein Interkulturelles Konfliktmanagement ein."
Genau das steht im Zentrum der Aktion, der sich die Darmstädter Schiedsrichter nun angeschlossen haben: Sie haben eine Erklärung unterschrieben, in der sie sich verpflichten, konsequent für die Werte einzustehen, die der Hessische Fußballverband vertritt. Sie wollen jede Art von Diskriminierung bei ihren Spielleitungen strikt ahnden. In letzter Konsequenz kann das bis zu einem Spielabbruch führen, wenn alle anderen Mittel nicht ziehen: Wenn ein Spieler für den Schiedsrichter deutlich erkennbar eine andere Person diskriminiert, ist die Sachlage einfach: Feldverweis ohne vorherige Ermahnung und Meldung im Spielbericht. Es ist die Erwartungshaltung der Schiedsrichter an die Sportgerichte, dass derartige Verfehlungen mit aller Härte geahndet werden. Die Höhe der Strafe muss letztlich so groß sein, dass sich unsportliches Verhalten nicht mehr lohnt. Wenn ein oder mehrere Zuschauer einen Spieler diskriminieren, ist die Lage für den Schiedsrichter etwas schwieriger. Er wird zunächst über die Spielführer versuchen, das Fehlverhalten zu unterbinden. Wenn das nicht fruchtet, besteht die Möglichkeit, mit beiden Mannschaften für einige Minuten in die Kabinen zu gehen und erneut eine Platzdurchsage zu veranlassen. Bereits jetzt sollte unmissverständlich darauf hingewiesen werden, dass ein Spielabbruch droht - mit allen Konsequenzen für den verantwortlichen Verein. Verantwortlich können beide Vereine sein: Das gilt sowohl für den platzbauenden Verein als auch für jeden Verein, dessen Anhänger sich daneben benehmen - jeder Verein ist für das Verhalten seiner Zuschauer verantwortlich. Und das ist gut so, sonst würde sich überhaupt niemand mehr zuständig fühlen. Wenn schließlich nach der Kabinenpause immer noch Diskriminierungen vorkommen, kann nur noch ein Spielabbruch die Konsequenz sein.
Wie soll sich ein Schiedsrichter verhalten, wenn, wie einem unserer Kollegen vor einigen Jahren passiert, Zuschauer ihm zurufen: "Dich haben sie vergessen zu vergasen?" Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Schiedsrichter nach einer derartigen Entgleisung noch in der Lage ist, das Spiel weiter zu leiten.
Die Darmstädter Schiedsrichter sind bereits die 18. der 32 hessischen Schiedsrichtervereinigungen, die sie sich dieser Aktion anschließen. So wird, da inzwischen auch alle großen hessischen Fußballvereine dabei sind, sehr bald deutlich werden, dass die hessische Fußballfamilie insgesamt eindeutig hinter Fair-Play und gegenseitiger Anerkennung und Respekt steht. Dass es in Einzelfällen immer wieder zu Fehlverhalten kommen wird, steht außer Frage. Aber dann sollte die Gemeinschaft der Rechtschaffenen so stark sein, dass die Anhänger derart irren Gedankenguts keine Chance haben.
Dass der Hessische Fußballverband mit diesem Vorstoß nicht alleine steht, zeigte im Frühjahr der offene Brief des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der sich im Vorfeld des NSU-Prozesses wie folgt äußerte:

"Liebe Freunde des Fußballs,
es gehört zur besonderen Faszination und Stärke des Fußballs, dass er keine Unterschiede zwischen Kulturen, Religionen und Sprachen macht. Er schafft es jedes Wochenende, Millionen Menschen auf spielerische Weise zusammenzubringen. Fußball vereint. Und er gibt für jeden dieselben Spielregeln vor: einen fairen, toleranten, respektvollen Umgang miteinander.
Dass diese Werte in unserer Gesellschaft von einigen mit Füßen getreten werden, wird uns in diesen Tagen wieder erschreckend vor Augen geführt. Der bevorstehende NSU-Prozess macht auf schockierende Weise deutlich, dass rechter Terror und mörderischer Extremismus noch immer nicht komplett aus unserem Land verschwunden sind. Und er muss auch für unseren Fußball als Spiegelbild dieser Gesellschaft Mahnung sein, wachsam zu bleiben und geschlossen gegen jede Form von Diskriminierung einzutreten.
Wir alle wissen, dass rechte Gruppierungen auch den Fußball missbrauchen, um in anonymen Massen und juristischen Grauzonen ihre populistischen Parolen zu verbreiten. Und wir alle sind aufgerufen, etwas dagegen zu tun. Ob auf dem Trainingsplatz um die Ecke, im Vereinsheim oder auf der Zugfahrt ins Stadion - für Fremdenfeindlichkeit, für Rassismus, für Homophobie und jede andere Form von Diskriminierung darf im Fußball kein Platz sein.
Extremismus und Intoleranz haben nur dort eine Chance, wo weggeschaut und wo geschwiegen wird. Wir müssen deshalb genau hinhören, wenn Menschen auf und neben dem Platz wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung beleidigt werden. Genau hinsehen, wenn diskriminierende Parolen auf Banner oder T-Shirts geschrieben werden. Und aufstehen, wenn andere verbal oder körperlich angegriffen werden.
Es gehört zur besonderen Faszination und Stärke des Fußballs, dass er keine Unterschiede zwischen Kulturen, Religionen und Sprachen macht. Dass er auf Fairness, Toleranz und Respekt basiert. Dieser Grundgedanke sollte in jeder Vereinssatzung unmissverständlich festgeschrieben sein, um Zeichen zu setzen und Handlungsmöglichkeiten gegen extremistische Einflüsse zu haben.
Der Fußball kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen. Aber gemeinsam können wir alle einen Beitrag dazu leisten, Rechtsextremismus und Diskriminierung in Deutschland ins Abseits zu stellen.
Ihr Wolfgang Niersbach"

Dass der Fußball längst zu einem Ort der Rekrutierung von Anhängern rechten Gedankenguts geworden ist, hat der Journalist Ronny Blaschke, der mit zwei großen Artikeln im April diesen Jahres im Darmstädter Echo vertreten war, in seinem Buch "Angriff von Rechtsaußen - Wie Neonazis den Fußball missbrauchen" beschrieben. Halten wir also alle gemeinsam die Augen offen und zeigen mit den Logos "Nein! zu Diskriminierung und Gewalt" bei unseren Spielleitungen und mit den T-Shirts des Fair-Play-Forums, für welche Werte wir stehen.


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